Rennbericht Ironman Frankfurt 2017

von Sebastian Blum, 23.07.2017

 

Zwei Wochen sind nun vergangen seit meinem Zieleinlauf auf dem Römerberg beim Ironman Frankfurt 2017. So langsam begreife ich tatsächlich was dort passiert ist und das eine ca. 8-monatige Reise zum Ende gekommen ist.

Von der Idee am Ironman 2017 teilzunehmen (das war ungefähr im Dezember 2013) bis hin zu der Umsetzung sind nun insgesamt 3,5 Jahre vergangen.

Die spezifische Vorbereitung begann allerdings am Mittwoch nach dem kalten Markt 2016. Am kalten Markt-Montag wurde nochmal gebührend der Frühschoppen gefeiert, in der Gewissheit, dass die nächsten 8 Monate dann eher „schmale Partykost“ auf dem Plan stehen werden.

Die ersten beiden Monate des Trainings verliefen auch noch sehr human. Es war eine Art Heranführen an das, was da die nächsten Monate noch kommen mag. Im Januar erhöhten sich so langsam die Laufumfänge, was bei Temperaturen um die – 16 Grad und Dunkelheit abends nach der Arbeit nicht immer Spaß bereiten sollte. Tatsächlich lief ich im Januar pro Woche ca. 70 km.

Je weiter das Jahr voran Schritt, desto höher wurden die Umfänge. Zusätzlich musste ich nun neben dem vielen Laufen und Schwimmen auch zunehmend mein Augenmerk auf das Dehnen und Triggern der Muskulatur legen. Durch das viele Training machten sich meine Schienbeinkanten bemerkbar und das Laufen im Februar und März wurde etwas reduziert.

Dank der Laufpause, regelmäßigen Besuchen bei meinen Physiotherapeutinnen Nikola und Katja und ordentlich „Traumel“ konnte ich bald schon wieder schmerzfrei laufen.

In der Zwischenzeit erhöhte ich deutlich das Pensum auf dem Rad und ich absolvierte viele Einheiten auf der Rolle im Keller. Bis zu 4 Stunden am Stück verbrachte ich dort an den Wochenenden, Bücher lesend oder TV – schauend. Die Grundlage für unser Trainingslager im April in Mallorca konnte ich mir dort holen.

Mit der Umstellung der Uhr im März wurden die Bedingungen dann auch für Ausfahrten im freien besser und ich nahm regelmäßig das Rennrad um an die Arbeit nach Hanau zu fahren. Teilweise noch bei Minusgraden machte ich mich morgens um 05.45 Uhr auf nach Hanau. Die Klamotten wurden dort bereits am Vortag platziert, so dass ich nicht in den Radklamotten arbeiten musste. Durch die Fahrt zur Arbeit und zurück hatte ich 70 sichere Kilometer abgespult. Teilweise standen ein paar Kilometer mehr auf dem Plan, die ich dann durch eine kleine Extraschleife ergänzen konnte.

 

 

Hola Mallorca:

Ende April ging es dann endlich in das Trainingslager nach Mallorca. Hier war unser eingespieltes Team, Carina, Jens, Marjan, Olli F. und ich, wieder am Start. In Mallorca warteten bereits Yvonne und Christof aus unserem Triathlon-Team.

Die Bedingungen in Mallorca waren dieses Jahr optimal und bis auf einen Regentag hatten wir immer gutes Wetter. Die Tage waren gut durchgetaktet mit Schwimmen (vor dem Frühstück), Radfahren und Laufen. Es gab dieses Jahr in 9 Tagen einen Ruhetag.

Durch das Trainingslager habe ich im April ca. 5000 Minuten trainiert. Dies sollte allerdings nur ein Vorgeschmack auf das sein, was im Mai und Juni noch kommt.

Der Mai war mit ca. 4000 Trainingsminuten (15 Stunden pro Woche) vergleichsweise entspannt. Die intensive Vorbereitungsphase im Juni sollte alles bis dahin dagewesene in den Schatten stellen:

Während ich im Januar bei Minus 16 Grad Celsius noch 16km absolvieren musste und dort bereits geahnt habe, was auf mich zukommt, beinhaltete der Juni Einheiten von 32km bei 32 Grad Celsius Außentemperatur. Der größte Unterschied bei den Einheiten im Juni war jedoch, dass ich zuvor noch 140km im Sattel verbracht hatte. Waren es im Januar noch ca. 70 Laufkilometer pro Woche erhöhte sich dieser Wert im Juni auf ca. 100 Kilometer pro Woche. Die Schienbeine und die Wadenmuskulatur zwickte zwar hier und da, allerdings machte sie sich nicht ernsthaft bemerkbar. Mein Trainer Bernhard Lange hatte meinen Körper optimal auf die Länge dieser Einheiten vorbereitet. Mit ca. 5500 Trainingsminuten (23 Stunden pro Woche) sollten mich die Einheiten im Juni nun auch mental optimal auf den Ironman Frankfurt vorbereiten.

Und dann war der Tag gekommen:

3,8km Schwimmen – 180km Radfahren – 42,195km Laufen

Am 09.07.2017 klingelte der Wecker um 02:55 Uhr nachts. Ich war allerdings schon 5 Minuten vor dem Wecker wach. Die Nacht zuvor habe ich sehr schlecht geschlafen und aufgrund der Hitze (oder der Nervosität) auch unter der Bettdecke stark geschwitzt.

Als Jens, Carina und Mari, Kathrin und mich abholten war ich noch sehr entspannt. Ich ging optimal vorbereitet an den Start und freute mich auf den Wettkampf.

In der Wechselzone am Langener Waldsee erhielten wir dann noch die freudige Botschaft, dass mit Neoprenanzug geschwommen werden durfte. Diese Nachricht ist für schwächere Schwimmer wie mich immer eine sehr gute Nachricht. Das Schwimmen im Neoprenanzug ist ein kleiner Vorteil, da man etwas besser und „sicherer“ im Wasser liegt. Ein Neoprenanzug gibt leichten Auftrieb, allerdings ist es in einem solchen Anzug auch sehr schnell sehr warm.

Das Schwimmen lief zunächst sehr gut und nach 200 Metern hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Auf der zweiten Runde im See machte sich meine linke Wade bemerkbar und es schien, als wöllte diese krampfen. Ich nahm beim Schwimmen etwas Tempo heraus und beendete das Schwimmen krampffrei nach 1:13h.

Beim Radfahren war dann eingangs mein Puls etwas zu hoch, verglichen mit dem was ich im Training zu leisten im Stande war, aber ich fühlte mich frisch und konnte von Beginn an viele Athleten überholen. Nach 70km pendelte sich der Puls zum Glück ein und ich war auch nicht mehr so angespannt. Als ich Kathrin, Carina, Inge, Jens, Mari, Carina und Bernhard in Bad Vilbel erblickte brachte das zusätzliche Motivation und ich konnte genau die geplanten Werte aus dem Training fahren und brachte ordentlich Leistung auf das Pedal.

Leider fing es ab Kilometer 120 dann an und in meiner linken Oberschenkelrückseite deutete sich ein Krampf an. Nun sollten es noch lange 60km bis in die Wechselzone in Frankfurt sein. Mit dem Hintergedanken, dass ich im Anschluss noch einen Marathon bei mittlerweile 33 Grad Celsius laufen müsse ging meine Motivation kurzzeitig in den Keller. Ich konnte nun meine mir vorgenommene Pace nicht mehr halten und musste an allen kleinen Steigungen ein, zwei Gänge runterschalten, damit der Oberschenkel nicht zumacht. Essen fiel mir auch zunehmend schwerer, da der Magen „voll“ war und nichts mehr aufnehmen mochte. Bis Bad Vilbel schleppte ich mich weitere 50km mit einem etwas langsameren Schnitt über die Radstrecke.

In Bad Vilbel angekommen traf ich auf die Männer von „Berge und Bärte“, die mich dann erfolgreich den Heartbreak-Hill hochtrieben. Die Stimmung war vergleichbar mit einer Alpenetappe bei der Tour-De-France und plötzlich vergaß ich alle Wehwehchen und schöpfte wieder neue Motivation. Mein Gedanke war nun, dass ich aufgrund der Krämpfe die 42,195km notfalls spazieren könne und dennoch als „Ironman“ ins Ziel kommen würde. Ich sollte ca. um 13:30 Uhr in Frankfurt ankommen und hätte also mehr als genug Zeit die Laufstrecke bis zum Zielschluss um 22:00 Uhr zu absolvieren.

Ich stellte das Rad in Wechselzone 2 ab und war begeistert, dass ich das Radfahren trotz der Probleme in 5:09 absolvieren konnte. Das entspricht immer noch einem Schnitt von über 34km/h. Beim Absteigen vom Rad war ich zunächst sehr darauf bedacht keine hektischen Bewegungen zu machen um keinen Krampf auszulösen. Vorsichtig zog ich Laufschuhe und Socken an und lief ebenso vorsichtig los. Raus aus der Wechselzone sah ich viele bekannte Gesichter (unter anderem meine Eltern, Petra, Bernhard, Inge, Marion, Edgar, Anne, Mario, Mia, Liv, Christina, Moritz, Tina, Lotte, Jens, Carina, Marija, Ralf, Luke, Bine und ihr Bruder Thorsten, Flo, Tobi, Emmi, Benny, Hendrik, Angie, Alex, Jürgen P.und viele mehr (die ich an der Stelle leider aufgrund des erhöhten Laktatspiegels vergessen habe) und ich erhöhte meinen Schnitt auf krampffreie 5 Minuten und 10 Sekunden pro Kilometer. Ich verpflegte mich regelmäßig und fühlte mich bei diesem Schnitt die ersten 10km sehr wohl.

In der zweiten Runde merkte ich allerdings wieder meinen Magen, der aufgrund der zahlreichen Gels und Getränke immer noch sehr gut gefüllt war. Ein kleiner Boxenstop in einem blauen Häuschen schaffte für Abhilfe und ich konnte meine Reise bei nun noch ca. 5:20 Min/km fortsetzen. Meine Pulswerte waren in einem sehr guten Bereich von ca. 145 Schlägen pro Minute. Die letzte Runde musste ich mein Tempo erneut etwas drosseln. Nun fingen die Waden an, bei dem Tempo von 5:20 Min/km zu zumachen. Ab diesem Punkt war mein persönliches Ziel nur noch „ordentlich“ zu finishen.

Dank der vielen Bekannten Gesichter an der Strecke verlor ich nie wirklich die Motivation und beendete den Marathon trotz der heißen Bedingungen unter 4 Stunden. (Lediglich Kathrin durfte sich meine Gejammer anhören!)

Als ich mein letztes Rundenbändchen einsammelte und mich von den sehr engagierten und netten Helfern verabschieden konnte, wusste ich: „Gleich ist es geschafft!“. Der Einlauf am Römerberg war dann ein emotionales Highlight. Ich schwebte quasi über den roten Teppich und konnte den Zieleinlauf in vollen Zügen genießen. Im Ziel warteten dann schon viele meiner zahlreichen Supporter.

 

Vielen Dank an der Stelle an alle Supporter an der Strecke und vor den Fernsehern, vor allem aber:

·         Jens, der mich bei zahlreichen Radeinheiten zum Weitermachen bewegt hat, auch wenn er selbst keine Lust mehr hatte.

·         Carina, Marijan und Olli F., die sich mit mir mehr oder weniger freiwillige in Mallorca zahlreiche Häfen anschauen mussten (z.B. der Hafen von Valdemossa 😊) und mich durch die Berge begleitet haben.

·         Meinem Trainer Bernhard und seiner Frau Inge, die sich zahlreiche Minuten am Telefon meine Sorgen anhören mussten.

·         Flo und Tobi für die Begleitung bei zahlreichen Laufrunden durch Usenborn im Winter.

·         Katja Mänche und Nicola Groth für die gute physiotherapeutische Behandlung.

·         All meinen Freunden und Arbeitskollegen für das Ertragen der teilweise schlechten Laune (aufgrund von zu viel Training) und das Verständnis, dass die ein oder andere Party aufgrund von Müdigkeit eher verlassen werden musste.

·         Meiner Schwiegermutter Petra, für die ausgezeichnete lebensrettende Verpflegung nach der ein oder anderen langen Einheit am Wochenende sowie dem ausgezeichneten Service, dass immer wieder frische Trainingsklamotten zur Verfügung standen!

·         Meinen Eltern Hannelore und Winfried Blum, sowie Carolin und Christian Firle für die stetige Begleitung zu allen Triathlonveranstaltungen in der Vorbereitung seit St.Pölten 2015. Für das ständige „sich Sorgen machen“. Für das Mitfiebern. Für das fortwährende Verständnis, wenn ich mal nicht so viel Zeit hatte. Und für all die selbstverständlichen „Kleinigkeiten“ zwischendurch.

·         Und zu guter Letzt: Meiner bald ehemaligen verlobten Kathrin Appel für den besten Rückhalt, den man sich vorstellen kann! Für das regelmäßige Begleiten meiner Laufeinheiten, für das Ertragen meiner Launen, nach schlechten Einheiten, für das Anschubsen, wenn die Motivation mal nicht so da war und für vieles vieles mehr!

Vielen Dank!